Die Menschheit hat Korona,

die Erde hat Homo sapiens

 

  Texte von Christian Siry

 

 

 

oder Krankheit als Weg

 

 

 

Treffen sich zwei Planeten im Weltall.

 

„Und Du? Wie geht’s?“

 

„Nicht so gut. Ich habe Homo sapiens...“

 

„Mach dir keine Sorge. Das geht vorbei.“

 

 

 

Schwere Not in Deutschland und weltweit. Wir haben einen neuen Virus.

Wir bleiben Zuhause, fahren weitgehend alles runter. Was besseres konnte

uns nicht passieren. Ein Himmel ohne Kondensschleier. Eine nie gekannte

Ruhe macht sich breit. Wir müssen still halten. Dürfen uns auf das Wesentliche

besinnen. Wie nutzen wir diese Zeit? Wie geht es weiter nach der Korona-Krise?

 

 

 

„Wir werden diese Herausforderung gemeinsam schultern

und hoffentlich bald wieder zur Normalität zurückkehren.“

 

 Angela Merkel, im allgemeinen Tenor mit

nahezu allen politischen Führern

 

 

 

Ich persönlich möchte  nicht in diesen 'Normalität' genannten Wahnsinn zurück-

kehren. Er ist im höchsten Maße selbstzerstörerisch und viel gefährlicher als

Covid 19. Nicht ein weiterer Appell zu mehr Solidarität in schweren Zeiten soll

dieser offene Brief sein. Eigentlich geht es gar nicht um Korona. Es geht um die

viel schwerere Erkrankung, die wirklich alle betrifft. Die ganze Menschheit ist

die Risikogruppe, vor allem unsere Kinder und Kindeskinder. Dies hier ist ein Weck-

ruf, um die eigentliche Gefahr zu sehen und entschlossen zu reagieren.

 

 

 

Korona als Warnschuss

 

 

Ich möchte diesen Virus als Warnschuss sehen. Denn wir rasen

mit hoher Geschwindigkeit auf einen Abgrund zu, gegen den die

derzeitige 'Krise' nur eine sanfte Mulde ist. Auch der viel diskutierte

Klimawandel ist nur Teil einer viel größeren Katastrophe:

 

 

 

Wir befinden uns in einem Massenaussterben, wie es es zuletzt

vor 66 Millionen Jahren gegeben hat.  Es ist der 6. große Faunen-

schnitt in der Erdgeschichte.

 

 

-Er verläuft so rasant wie keiner zuvor.  Die Aussterberate liegt 1000

mal höher wie das natürliche sogenannte Hintergrundaussterben

 

-In den letzten 50 Jahren hat die Erde die Hälfte ihrer Wälder verloren.

 

-Die Gesamtzahl der wildlebenden Säugetiere ist um zwei Drittel gesunken.

 

-Seit 1989 sind in Deutschland 76% der Fluginsekten verschwunden.

 

-In 50 Jahren wird das Gewicht von eingetragenem Plastik die Bio- Masse

der Meereslebewesen übersteigen.

 

-Fast alle indigenen Naturvölker wurden oder werden vernichtet,

wahlweise 'zivilisiert'.

 


 

Die Grenzen des Wachstums

 

Trotz vieler Warnungen sowohl von weisen Menschen als auch von

hochintellektuellen Wissenschaftlern folgt die Menschheit einem System,

dessen unweigerliches Ende in einem totalen Kollaps schon von Karl

Marx prophezeit wurde. Der Club of Rome hat dies mit seiner 1972 ver-

öffentlichen Studie 'Die Grenzen des Wachstums' bestätigt.

 

Jedem erwachsenen Menschen muss klar sein, dass es kein 'Immer mehr'

geben kann. Mittlerweile sind 2 Drittel der Landflächen vom Menschen

umgestaltet worden. Mit Beton versiegelt, mit Dünger versalzen und mit

Monokulturen besetzt. Die Meere sind maßlos überfischt.

 

Unsere Gesamtpopulation beträgt 7 Milliarden. Das sind 6 Milliarden

mehr Menschen als vor 200 Jahren. Ende dieses Jahrhunderts sollen es

10 Milliarden sein. Und sie alle sollen das haben, was wir in der 'westlichen

Welt' für selbstverständlich halten. Dafür aber sind die Ressourcen von

7 Erdplaneten erforderlich.

 

 

Die Erde lebt!

 

Nach der Gaia Hypothese von der Mikrobiologin Lynn Margulis und dem

Chemiker, Biophysiker und Mediziner James Lovelock ist die Erde eine

Art Gesamtorganismus, der wie unser Körper aus Abermilliarden Lebe-

wesen besteht. Alles spielt zusammen und steigert die Vitalität des

Ganzen. Indigene Völker auf der ganzen Welt sprechen intuitiv von Mutter

Erde. Auch rational kommen wir heute dahin, dass das ganze mehr als

die Summe seiner Teile ist.

 

Wie der Häuptling Seattle in seiner berühmten Rede vor dem amerika-

nischen Kongress sagte:

 

„Was wir der Erde antun, tun wir uns selbst an.“

 

Seine Worte wurden bis heute kaum verstanden und kaum beherzigt.

 

 

Was für einen Sinn haben Viren im Gesamtökosystem Erde?

 

Viren regulieren Populationen und verhindern damit, dass ein dynamisches

Gleichgewicht zu stark in eine Richtung kippt.

 

 

Was tut ein Körper, wenn er von einer Krankheit befallen ist?

 

Das Verhalten der 'zivilisierten' Menschen, welche der kapitalistischen

Religion mit ihrem Mythos des unbegrenzten Wachstums folgen, entspricht

in der Beziehung zum Ökosystem Erde dem eines aggressiven Virus, der zur uneingeschränkten Eigenreproduktion seinen Wirt mittlerweile an die Grenzen

der Belastbarkeit und darüber hinaus gebracht hat.

 

Man könnte das Korona-Phänomen auch so deuten: Die Erde sendet Abwehr-

kräfte aus, um den Befall zu lindern.

 

Ist es human, etwas so zu formulieren?

 

Ja! Denn es soll helfen zu verstehen, dass wir uns radikal ändern müssen, um die

Erde als Lebensraum für nachfolgende Generationen und alle Arten zu bewahren,

die hier naturgemäß Zuhause sind. Wir alle sind die Risikogruppe!

 
 

Krankheit als Weg

 

Viele Menschen kennen das Buch 'Krankheit als Weg' von Rüdiger Dahlke.

Darin geht es um die Bedeutung von Krankheiten für das Individuum. Sie

werden als Wegweiser interpretiert, um die eigenen Weichen neu zustellen

und von Irrwegen abzukehren, die längerfristig beschritten fatale Folgen

haben. Sie sind ein Wink mit dem Zaunpfahl, ein sanfter Arschtritt, um

Schlimmeres zu vermeiden. Dies, nicht mehr und nicht weniger, ist für mich

Korona, wie wir diese Wanderinformationen (Viren) nennen.


 

Wenn nicht jetzt, wann dann?

 

Täglich sterben in der 'dritten Welt' 100 000 Menschen an Hunger. Wann

schreien wir deswegen auf? Wie können wir klagen, wenn unsere Greise an Lungenentzündung sterben, während anderswo die Kinder verhungern,

weil wir im maßlosen Überfluss leben? Wie können wir das eine so schwer

wiegen, und das andere schlichtweg ignorieren?

 

Beenden wir diesen Wahnsinn der Normalität.

 

Unser gesamtes tagtägliches Streben ist sinnlos, wenn wir damit die

Lebensgrundlage Erde zerstören. Wir alle müssen uns nun ehrlich fragen:

 

Mit was verdienen wir unser Geld?

 

Was finanzieren wir damit? Was konsumieren wir?

 

Wollen wir für unsere Kinder eine gesunde Erde?

 

Was sind wir bereit zu verändern?


 

Vieles ist nicht mehr umkehrbar. Der Mensch hat eine Lawine ins Rollen

gebracht, die nicht einfach zu stoppen ist. Wir können die Folgen abmildern.

Dafür ist sofortiges und entschlossenes Handeln notwendig. Der jetzigen

politischen Führung ist dies nicht zuzutrauen. Die Wirtschaftsbosse, welche

immer mehr auch die Politik lenken (siehe Donald Trump oder der BDI in

Deutschland), werden alternativloses Wachstum verlangen, bis alles explodiert.

 

Die Veränderungen müssen aus dem Volk und von unabhängigen Wissen-

schaftlern ausgehen. Bauern und Landwirte müssen sich untereinander und

mit der Natur solidarisieren. Kleine und mittlere Unternehmen müssen nach-

haltige Konzepte etablieren. Das Fundament der Weltgesellschaft muss sich

regional grundlegend neu organisieren, im vollen Bewusstsein globaler Ver-

bundenheit und Verantwortung.

 

 

Was können wir persönlich tun?

 

Bleiben wir öfter Zuhause. Hören wir auf damit sinnlos um die Welt zu fliegen.

 

Kaufen wir weniger Dinge und bezahlen mehr für gutes Bio- Essen.

 

Ziehen wir unser Geld und damit unsere Energie aus den großen Finanz-

kreisläufen der spekulativen Weltwirtschaft.

 

Schützen wir die Natur vor unserer Haustüre, wie überall auf der Welt, durch

Konsumverzicht bzw. die Förderung von ökologischen Anbau- und Produktions-

methoden durch Kaufentscheidungen.

 

Organisieren wir uns in kleineren, nicht anonymen Kreisen.

 

Setzen wir klare Zeichen bei den nächsten Wahlen. Diese Politik ist längst nicht

mehr haltbar.

 

Sprechen wir miteinander. Mit unseren Nachbarn, mit den Dienstleistern. Laden

wir alle persönlich dazu ein, einen lebenswichtigen, evolutionären Schritt zu gehen.

 

Machen wir die Zerstörung der Erde als Folge dieses Kapitalismus überall zum

Thema Nummer eins.

 

Wenn wir bereit sind, auf Überfluss zu verzichten, werden wir den gesünderen

Luxus von freier Zeit, von wahrhaften Freundschaften, von Sonnenuntergängen,

Vogelgesang und innerer Ausgeglichenheit finden.

 

Lasst uns mutig sein. Beenden wir das System der Ausbeutung, bevor es uns

beendet.

 

Lasst uns diese Pause kreativ nutzen und Zeichen des Wandels setzen, klarer und entschlossener als je zuvor.

 

Es gilt. Heute mehr denn je. Wir sind der Virus. Und wir sind die Heilung!

 

Wenn Du diesen Worten zustimmst, teile gerne und bitte dieses Schreiben überall.

 

 

 

Danke für die Aufmerksamkeit, Christian Siry, Erdenbewohner.

 

 

 

Quellen und Literatur dazu:

 

                         Das Ende der Evolution                     Matthias Glaubrecht, Evolutionsbiologe

  

                        Das große Insektensterben            Eva Rosenkranz, Andreas Segerer

 

                        Die Grenzen des Wachstums          Club of Rom

 

                        Die Menschheit schafft sich ab      Harald Lesch, Astrophysiker, Philosoph

 

                        Die Hälfte der Erde                              Edward O. Wilson  Evolutionsbiologe


 

Aus dem Zauberkästchen -

Gedanken und Geschichten

aus Biotopia

Hier ist der Platz für Gedanken und Geschichten, Inspirationen,

Eindrücke und Erlebnisse in Biotopia. Viel Freude beim lesen!

 

 

 

Elfen auf der Flucht

 

 

von Christian, 17.7.13

 

 

Lena und ich flechteten gerade Knoblauchzöpfe, die Luft flimmerte sonnengetränkt

durch den Bilderbuchjulitag. Ein bißchen Vogelgezwitscher, Bienengesumms und-

ein fern schwingendes Motorengeräusch. Und da flog ein seltsames Wesen an mir

vorbei, wie eine schwirrende Elfe. Hossa, die Waldfee, dachte ich nur.

 

Da aber trat Hong trat aus dem Haus und sprach' Aha, die Wiss werd gemeht...'

 

Die Wiese! Jetzt fiel mir der Traum der letzten Nacht aus der Schublade des unbe-

wussten Kauderwelsch auf den Boden der Tatsachen. Da war der Traktor und er hatte

die kompletten Wiesen kahl gemäht, einschließlich des blumigen Magerstückes vor

den Bienen! Wollte ich es nicht unbedingt erhalten, wie auch manch andere Ecken der

großen Wiesenflächen, auf das sich die Glockenblumen aussähen und die Schwalben-

schwanzraupen über die Wilde Möhre hermachen mögen?

 

Während ich noch so sinnierte, war Hong schon unterwegs, dem Bauern, der unsere

Wiesen mäht, zu begrüßen. Ich hechtete hinterher, so nackt mich meine schnellen

Füße trugen. Am Rande der hohen Wiese angekommen, flog mir nun ein ganzes Elfen-

geschwader um die Ohren. Überall stoben sie aus der sich darniederlegenden Wiese

in Richtung Reinighof. Eine heftete sich mir an die Brust.

 

Sie sprach:

 

'Holder Gärtnersmann, so sprechet doch ein paar Worte ins stählern Antlitz dieses

Ungetüms! Sonst werden wir alle erwerbs- und obdachlos!'

 

Ja, wohl wahr. Und nicht nur die hunderte von elfenhaften Heupferdchen, sondern

auch Bienen und viele andere krabbelnde, schwirrende und kriechende Wiesenbe-

wohner. Denn anders noch als zu Zeiten der Sense, schwindet eine riesige Wohn-

und Nahrungsfläche im Zeitraffer dahin. Für viele ihrer Bewohner zu schnell, als

das sie sich auf eine Veränderung ihres Lebensraumes einstellen und sich umorien-

tieren könnten.

 

So sprachen wir mit dem verständnisvollen Bauern, so das er verschiedene Flächen

der Wiese sechs Wochen später mähen würde. Bis dahin wird dann die nun gemähte

Wiese wieder aufgewachsen sein.

 

Ja, und kaum war ein Stück Natur vor unserer Haustüre gerettet, da zeigte sie sich

mal wieder in ihrer vollsten Pracht, wie zum Dank und zur Bestätigung unseres Für-

spruches: Ein Großer Schillerfalter segelte leuchtend blau durch den Kräutergarten

und beim Johanniskraut- Pflücken oben bei den Bienen, auf jenem blühfreudigen

Magerwiesenstück, entdeckte ich das leuchtendrosa blühende Tausendgüldenkraut,

eine unter Naturschutz stehende Seltenheit!