Europäische Pioniersiedlung e.V.

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Der Reinighof im Fernsehen!


In der Südwest 3 Landesschau, am

Donnerstag, 21. Mai ab 18:45 Uhr. Wer es verpasst hat oder immer wieder gerne sehen möchte :-):

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 http://www.swr.de/landesschau-rp/biotopia-reinighof-leben-im-einklang-mit-der-natur/-/id=122144/did=15360108/nid=122144/o36lxv/index.html


Biotopia Reinighof Leben im Einklang mit der Natur

Einfach aussteigen, das ist der Traum vieler Erwachsenen. Auf dem Reinighof in der Pfalz weit außerhalb des Dorfes Bruchweiler-Bärenbach hat die Suche nach anderen Lebensformen eine lange Traditition.

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"Das Schöne an dieser Insel im Wald, das sind die Wiesen, die Wolken, das sind die roten Sandsteinfelsen, die vielen Tiere, die es hier gibt, die Menschen, die hierherkommen, die sich hier begegnen, Konzerte, Kunstveranstaltungen, tolle Vorträge, Kinder, die Waldspielgruppe": Christian Siry lebt mit seiner kleinen Familie seit drei Jahren auf dem Reinighof in der Südpfalz.

Christian Siry

Christian Siry

Der Landschaftsgärtner liebt es, die Natur zu fühlen, zu riechen und zu schmecken. Er ist ein Mann für's Grüne: "Die Bärwurz wächst vor allen in bergigen Regionen. Vor allem die Wurzel ist sehr heilkräftig, aber auch die Blätter. Sie schmeckt gut, sehr würzig, stärkt das Immunsystem und macht das Blut frisch", erklärt er.

Die Pioniersiedlung Reinighof liegt mitten im Pfälzer Wald bei Bruchweiler-Bärenbach, weitab von allem. Sechs Erwachsene und der kleine Noah leben hier. Mama Janina Feuerer ist Grundschullehrerin. Sie alle wollen besser leben – ökologisch und nachhaltig. Ein Forschungsprojekt sagen sie und nennen ihre Insel "Biotopia".

Wertvolles Wissen über die Natur

Janina Feuerer

Janina Feuerer

Selbstversorgung ist auf Biotopia wichtig. Das Wasser kommt aus eigener Quelle, der Strom vom eigenen Dach und das Gemüse aus eigenem Garten. "Karotten, Pastinaken, was wir dann in Sandkisten einlagern, also einfach feuchten Sand, und dann die Karotten rein und Pastinaken. Das Ganze schön vergraben und da halten die sich ganz gut", erzählt sie beim Zubereiten eines Salats. "Das ist Wissen, das bestimmt auch mal überlebensnotwendig sein könnte. Ich finde, es ist sehr, sehr wertvolles Wissen."

In der Werkstatt arbeitet gerade Thomas Kölsch. Der gelernte Stahlgießer und Zimmermann ist hier der Opa, wie er sagt. Er lebt seit 1986 hier. Für ihn ist das Stück Land mit seinen Wiesen und Wäldern ein Geschenk. Hier kann er Werte leben, sagt er: "Das Projekt gibt es seit 1978, hat als Landwirtschaftsprojekt angefangen, auch mit gemeinsamer Ökonomie und alles zusammen. Es gab Weiterentwicklungen, aber auch Rückschritte."

Kooperation statt Konkurrenz

Thomas Kölsch

Der "Opa" vom Reinighof: Thomas Kölsch

Es kamen andere Menschen, dann andere Ideen. Man verdiente gemeinsam Geld in eine Kasse. Doch 2012 war die Kommune am Ende. Jetzt der Neustart: "Wir gehen jetzt nach außen arbeiten", erklärt Thomas Kölsch. "Das Ganze, was wir hier für Haus und Hof und Verein machen, machen wir ehrenamtlich."

Das Projekt Biotopia wurde geboren - Kooperation statt Konkurrenz. Nachhaltig leben und Botschafter sein für die Natur, das sind die Ziele. "Die Offenheit wächst", sagt Christian Siry. "Es kommen immer mehr Leute hierher, die gucken, was wir machen. Das Prädikat des Bürgermeisters war: 'Man kann schon wieder vorbeilaufen, ohne dass mer sich uffresche muss'."

Ein modernes Leben mit der Natur

Der Lieblingsplatz des Landschaftsgärtners ist eine alte Eiche, die gerade zu neuem Leben erwacht. 2012 stürzte sie, treibt nun jedoch neu aus - ein Symbol für Biotopia.

Salat mit Blüten

Kochen, was im Garten wächst: Salat mit Blüten

"In unserer Vision geht es darum, diese Biotopia zu leben und herauszufinden, wie es geht. Wir haben dafür kein Rezept. Deswegen heißt es auch 'Unterwegs nach Biotopia'. Wir forschen, wir probieren aus - über das Zusammenleben, das Gemüsebeet im Garten, über den Gartenzaun hinaus, die Natur, die drumherum ist. Wie schafft man es, in Balance, im Gleichgewicht zu sein?"

Die großen Fragen des Lebens treiben die Biotopisten. Klar, auch sie nutzen das Internet. Aber ein wirklich modernes Leben ist für Christian Siry nur mit der Natur möglich.

Christoph Würzburger / Manuela Hübner



Magazin Anderes Lernen


Verwurzeln


Von Bagdad nach Bärenbach


„You are living in the middle of no where!“ sagt der 22 jährige Abdullah, als wir vor dem Reinighof parken. Mitten im Pfälzer Wald, Alleinlage, Inselstromanlage und eigene Quelle. Er kommt aus einer riesigen Metropole, einem brodelnden Hexenkessel, beinahe täglich erschüttert von Explosionen.

Wenig später sitzt er mit den anderen Kursteilnehmern im Kreis ums Lagerfeuer und schnitzt an seinem Holzlöffel. Geduldig bläst er die Glut an, mit dem er die Vertiefung ins Holz brennt. Sein Cousin Mohammad hat ihn mitgebracht, zum Wildnisbasiskurs der Wildnisschule Donnersberg, in Cooperation mit dem Reinighof e.V., frischgebackenes Mitglied der LAG Anderes Lernen. Mo, wie ihn alle nennen, ist schon mit sieben Jahren nach Deutschland gekommen, spricht nicht nur perfekt deutsch, sondern auch fließend pälsisch und ist nicht nur bestens integriert, sondern integriert auch bestens. Er übersetzt Abdullah abwechselnd ins englische und ins arabische.

Verwurzeln ist die Überschrift des Kurses, Wurzeln spüren im Miteinander sein in der Natur. Glutbrennen, Feuer mit dem Drillbogen machen, einen Wasserfilter aus Sedimenten und Moos bauen, schleichen, Schnüre aus Brennnsesselfasern zwirbeln und vieles mehr: Praktische Handfertigkeiten, die die Teilnehmer im Tun fest verwurzeln auf der Erde, auf der wir gehen und stehen, schon seit vielen hunderttausend Jahren. Das Feuer ist der zentrale Sammelpunkt, welches einen jeden Menschen wärmt, egal wo er herkommt, an was er glaubt, was er getan und was er gelassen hat. Und auf ihm steht der Topf mit der Suppe, die wir gemeinsam kochen und auch auslöffeln.

Zunächst scheint der Stadtmensch Abdullah etwas verwundert: Warum sitzen diese Deutschen, die hier doch im Land des Überflußes leben, so spartanisch hier mitten im Wald? Aber im gemeinsamen werkeln, lachen und singen wird er bald Teil des Kreises und fragt schon am Abend, ob er nach dem Kurs noch drei Tage länger auf dem Hof bleiben kann. Das erste Mal nach seiner langen Flucht und den drei Monaten in einer Flüchtlingsunterkunft in Lampertheim fühlt er sich aufgenommen, angekommen, zumindest für eine Weile.

Abdullah hatte Maschinenbau studiert. Im Falaffel Imbiss hinter der Uni detonierten Bomben und töteten seine Freunde. Sein Vater hatte eine florierende Firma. Dreißig Angestellte, ein Haus mit swimming pool. Leider stand es im falschen Viertel von Bagdad. Eine mächtige Miliz verprügelte die Angestellten, durchsiebte die Firma mit Maschinengewehrsalven und legte der Familie somit nahe, schnellst möglichst zu verschwinden und alles zurückzulassen. Die Hilfe der Polizei bestand darin, ihnen zu sagen, dass es wohl tatsächlich das beste wäre, zu gehen, denn sie fühlt sich machtlos.

Nur eine von Millionen von Flüchtlingsgeschichten. Doch diese berührt mich besonders, als er sie mir beim Glutbrennen erzählt. Weil sie nicht in einer Zeitung steht, sondern weil sie mir ein Mensch erzählt, mit dem ich gemeinsam ein schönes Wochenende verlebe. Wieder einmal wird mir die Macht des Kreises bewusst, wo es kein vorne und kein hinten, kein oben und kein unten gibt. Alle sind in der gleichen Position, alle wärmt das gleiche Feuer. Staatszugehörigkeiten und Religiösitäten spielen in der Wildnis keine Rolle. Dem Feuer sind sie egal und dem Wald drumherum erst recht.

Gemeinsam bauen wir Laubhütten, der natürliche und voll recyclebare Schlafsack, der nicht nur wildromantisch ist, sondern im Ernstfall auch vorm erfrieren schützt. Probeliegen und später dann übernachten, zwischen den Wurzeln der alten Bäume.

„As I left Bagdad for to go to Germany, I don't imagined that I would sleep here like this, like in the stone age. But it's good!“ Internationales Gelächter. Humor ist auch grenzenlos.

Abdullah will wieder kommen, zu dem Hof am Ende der Straße, 'in the middle of nowhere'. Gerne darf er auch ein paar Freunde mitbringen.