Aus dem Zauberkästchen- Gedanken und Geschichten aus Biotopia

 Hier ist der Platz für Gedanken und Geschichten, Inspirationen, Eindrücke und Erlebnisse in Biotopia. Viel Freude beim lesen!

 

 

Elfen auf der Flucht

 

 

von Christian, 17.7.13

 

 

Lena und ich flechteten gerade Knoblauchzöpfe, die Luft flimmerte sonnengetränkt durch den Bilderbuchjulitag. Ein bißchen Vogelgezwitscher, Bienengesumms und- ein fern schwingendes Motorengeräusch. Und da flog ein seltsames Wesen an mir vorbei, wie eine schwirrende Elfe. Hossa, die Waldfee, dachte ich nur.

 

Da aber trat Hong trat aus dem Haus und sprach' Aha, die Wiss werd gemeht...'

 

Die Wiese! Jetzt fiel mir der Traum der letzten Nacht aus der Schublade des unbewussten Kauderwelsch auf den Boden der Tatsachen. Da war der Traktor und er hatte die kompletten Wiesen kahl gemäht, einschließlich des blumigen Magerstückes vor den Bienen! Wollte ich es nicht unbedingt erhalten, wie auch manch andere Ecken der großen Wiesenflächen, auf das sich die Glockenblumen aussähen und die Schwalbenschwanzraupen über die Wilde Möhre hermachen mögen?

 

Während ich noch so sinnierte, war Hong schon unterwegs, dem Bauern, der unsere Wiesen mäht, zu begrüßen. Ich hechtete hinterher, so nackt mich meine schnellen Füße trugen. Am Rande der hohen Wiese angekommen, flog mir nun ein ganzes Elfengeschwader um die Ohren. Überall stoben sie aus der sich darniederlegenden Wiese in Richtung Reinighof. Eine heftete sich mir an die Brust.

 

Sie sprach:

 

'Holder Gärtnersmann, so sprechet doch ein paar Worte ins stählern Antlitz dieses Ungetüms! Sonst werden wir alle erwerbs- und obdachlos!'

 

Ja, wohl wahr. Und nicht nur die hunderte von elfenhaften Heupferdchen, sondern auch Bienen und viele andere krabbelnde, schwirrende und kriechende Wiesenbewohner. Denn anders noch als zu Zeiten der Sense, schwindet eine riesige Wohn- und Nahrungsfläche im Zeitraffer dahin. Für viele ihrer Bewohner zu schnell, als das sie sich auf eine Veränderung ihres Lebensraumes einstellen und sich umorientieren könnten.

 

So sprachen wir mit dem verständnisvollen Bauern, so das er verschiedene Flächen der Wiese sechs Wochen später mähen würde. Bis dahin wird dann die nun gemähte Wiese wieder aufgewachsen sein.

 

Ja, und kaum war ein Stück Natur vor unserer Haustüre gerettet, da zeigte sie sich mal wieder in ihrer vollsten Pracht, wie zum Dank und zur Bestätigung unseres Fürspruches: Ein Großer Schillerfalter segelte leuchtend blau durch den Kräutergarten und beim Johanniskraut- Pflücken oben bei den Bienen, auf jenem blühfreudigen Magerwiesenstück, entdeckte ich das leuchtendrosa blühende Tausendgüldenkraut, eine unter Naturschutz stehende Seltenheit!