Hier das Konzept, mit dem wir am Wettbewerb Naturschätze entdecken und bewahren der Daniel Theysohn Stiftung in Ludwigswinkel teigenommen haben. Leider konnten wir nicht gewinnen, da unser Projekt im Umfang nicht ganz der Ausschreibung des Wettbewerbes entsprach. Dennoch arbeiten wir weiter an der Verwirklichung.

 

 

 

 Naturschatz Marienquelltal am Reinighof

 

 

von Christian Siry, Gärtner mit Schwerpunkt auf naturnaher Garten- und Landschaftsgestaltung sowie Natur- und Wildnispädagoge, vom und für den

 

Reinighof e.V., Bruchweiler- Bärenbach

 

 

Zu Füßen des Dürrensteines, etwa 2 km westlich von Bruchweiler- Bärenbach, liegt das etwa 5 Hektar große Areal. Es handelt sich dabei um ein Niedermoor, eventuell auch schon um ein Zwischenmoor, versetzt mit kleinen Baumgruppen. Ein sehr selten gewordener Lebensraum, der ursprünglich die Täler des Pfälzer Waldes prägte. Moore gelten als wichtige CO 2 Speicher. An seinem südöstlichen Ende sprudelt die Marienquelle in einen Teich.

 

Die GPS Koordinaten sind: N49' 7' 35.53 E7' 46' 21.53

 

 

Beschreibung:

 

Die Sumpfwiese ist von Seggen geprägt, vereinzelten Birken und Wildblumen, wie dem Gilbweiderich, Mädesüß, Sumpfhelmkraut, der Kuckuckslichtnelke, dem Baldrian und der Sumpfdotterblume. Johanniskraut und Malven blühen an den trockeneren Rändern, die Waldengelwurz im schattigen Bereich.

 

Die Insektenwelt ist vielfältig. Seltene Falter wie der Blaue Schillerfalter oder das Sechspunktwidderchen sind zu beobachten. Auffallend ist auch das häufige Vorkommen von Ringelnattern, ebenso konnte ich die Schlingnatter dokumentieren. Für Amphibien ist das Tal zweifelsohne ebenfalls ein El Dorado. Im Bachlauf gibt es kleine Forellen. Auf den nahen Felsen brüten jährlich Wanderfalken.

 

Der Reinighof, als auch die Hütten des Ludwigshafener und des Kaiserlauterer Alpenvereines beziehen von dieser Quelle ihr Trinkwasser. In alten Karten ist die Quelle als Marienquelle verzeichnet. So benannte Quellen waren schon in vorchristlichen Zeiten als heilsam bekannt. Hellsichtige Menschen nahmen weiße Frauen wahr, damals als Naturgöttinnen oder Geister gedeutet, später als Marienerscheinungen.

 

 

Ausgangssituation:

 

 

Der Überlauf der gefassten Quelle plätschert kräftig in den Quellteich. Leider ist der Damm kaputt und der Wasserstand daher sehr niedrig. Bei dem Teich steht eine Reihe von Kopfweiden, die wir im letzten Winter wieder in Kultur genommen haben. Im Zuge dieser Maßnahme haben wir auch eine weitere Weidenreihe gepflanzt. Aus dem Schnitt entstand ein Weidensofa und ein zwei auf zwei Meter großes, wachsendes Weidennest, welches in etwa zwei Jahren ein gemütliches Liegeplätzchen für den müden Wanderer sein wird. Kopfweiden bieten nicht nur hervorragendes Material zum flechten und bauen, sondern auch vielfältigen Lebensraum für allerhand Getier. An den Schnittstellen bilden sich durch die Überwallungen mehr und mehr seltene Nischen, wie zum Beispiel Wohnhöhlen für Fledermäuse. Die sich anschließende Nieder-bzw. Zwischenmoor (eine genaue Definition müsste eine naturkundfachliche Untersuchung geben) bietet einen malerischen, wildromantischen Anblick.

 

 

Seit 2012 engagieren wir uns für dieses schöne Stück Pfälzer Erde. Der Anlass für unser Engagement war vor zwei Jahren der Sturz einer prächtigen Eiche, welche nun, noch immer fest verwurzelt, vom Waldrand her in die Wiese liegt. Sie trieb reichlich neu aus und führt nun ein 'horizontales' Dasein. Angerührt von der Schönheit dieses in unseren Wäldern ausgesprochen seltenen, ja, nahezu nicht vorkommenden Anblicks, verzichteten wir auf die nicht geringe Brennholzmenge und stellten den Baum, der zu unserem angrenzenden Waldstück gehört, unter Schutz.

 

 

Nähere Beschäftigung mit dem Thema Totholz eröffnete mir den faszinierenden Horizont von der Vielfalt des Lebens im toten Holz. Ja, es gibt kaum was Lebendigeres im Wald als solch ein dicker, Baumstamm, besiedelt von Heerscharen von Lebewesen.

 

 

Doch noch ist diese Eiche am Leben und treibt munter aus. Ihre aufliegenden Äste bilden einen kleinen Dom und wer auf dem dicken Stamm entlang geht, sich niedersetzt und ins Tal schaut, der kann sich gut vorstellen, wie gleich ein Braunbär auf die Wiese tritt, so urig ist der Anblick.

 

Wie lange diese Eiche noch lebt, wissen wir nicht. Doch sie soll noch Generationen anrühren, in all ihren Stadien des Werdens und Vergehens, bis in ihrem Mulm die Hirschkäferlarven gedeihen.

 

 

 

Während unsere Idee gedieh, dieses wundervolle Tal noch mehr und noch vielfältiger Natur sein zu lassen und dies Kindergruppen und Wanderern durch unten stehende, weiterführende Maßnahmen bewusst zu machen, stieß ich auf den Flyer der Daniel Theysohn Stiftung 'NaturSchätze entdecken und bewahren'. Wir sind begeistert und würden uns freuen, wenn sie sich diesen Ort einmal anschauen!

 

 

Projektziel:

 

 

- Erhaltung und Rückgewinnung dieses viefältigen Lebensraumes für seltene Tiere und Pflanzen.

 


- Das Marienquelltal zu einem attraktiven Wanderziel zu machen, um vor Ort ein Bewusstsein für die Schönheit und Vielfalt der Natur zu schaffen.

 

 

- Der Platz am Teich (etwa 600 m²) wird für Schulklassen und Kindergruppen ein Waldklassenzimmer werden, mit Weidenmöbel und frischem, auf Trinkbarkeit getesteten Quellwasser. Nachhaltiges Wissen über Wald, Gewässer und Wiese wird mit spannenden Exkursionen und Experimenten vermittelt.

 

 

Maßnahmen:

 

 

- Mit dezenten, aber ansprechenden Schildern wird über das Tal, den Lebensraum Moor, den Lebensraum Totholz, die Kopfweiden, die vorkommenden Tiere und Pflanzen informiert.

 

- Durch Pflegemaßnahmen wird das Tal offen gehalten. Brombeeren, Schlehenhecken und Adlerfarn sind auf dem Vormarsch und müssen beständig eingedämmt werden.

 

- Die künstlichen Entwässerungsgräben werden nicht erhalten, bzw. gestaut. Das Moor wird nasser.

 

- Verschwundene, standortgerechte Stauden werden gezielt wieder 'ausgewildert'.

 

- Durch Ankauf und Sichselbstüberlassen von Waldstücken angrenzend an die Feuchtwiese wird mehr Platz für den seltenen Lebensraum 'besonntes Totholz' entstehen. Wir gehen den ersten Schritt mit unserem Waldstreifen und der liegenden Eiche und nehmen ihn aus der Nutzung.

 

 

- Mit der Reparatur des Dammes wird der Wasserstand des Teiches wieder erhöht.

 

- Der Überlauf der Quelle wird mit einer Trockenmauer ansprechend eingefasst und über eine Sandsteintreppe für den Wanderer bequem erreichbar.

 

- Durch Anstauung des kleinen, abfließenden Baches etwa fünfzig Meter hinter dem Damm, entsteht ein weiteres Feuchtbiotop. Brombeeren und anderer Aufwuchs werden zurückgedrängt.

 

- Durch Ankauf und Rodung des daran anschließenden, dicht stehenden, unkultivierten Fichtenbestandes geschieht ein weiterer Schritt Renaturierung, die Forellen werden dafür dankbar sein.

 

- Mit einer Feuerstelle und einem Waldklassenzimmer bei der Quelle für Kinder- und Jugendveranstaltungen wird Verständnis um das Verwobenseins von Werden und Vergehen in der Natur geschaffen.

 

- Weitere, lebende Weidenbauwerke sollen entstehen, als Workshops für Erwachsene und kreatives Naturerlebnis für Kinder, als Sinnbild des Ineinandergreifens von Kultur und Natur.

 

 

Zielgruppen:

 

-Schulklassen und Kindergruppen

 

-Wanderer

 

-Besucher der Alpenvereinshütten und des Reinighofes

 

-die Pflanzen und Tiere des Waldes

 

 

 

Zur Umsetzung:

 

 

Organisation, Planung und Durchführung übernimmt der Reinighof e.V. Umsetzbar ist das Projekt in diesem Umfang allerdings nur über Unterstützung durch Fördermittel und ehrenamtliche Hilfe. Helfer gibt es schon einige, Gelder wünschen wir uns noch.

 

 

 

Im Kronendom der liegenden Eiche
Im Kronendom der liegenden Eiche